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15. November 2023

Der Flynn-Effekt: Warum unsere IQ-Werte steigen

Von IQ Archiv Team IQ Archiv Untersuchung

Im Laufe des 20. Jahrhunderts geschah etwas Merkwürdiges in der Welt der Psychologie: Die Menschen wurden klüger. Zumindest deuteten ihre Ergebnisse in IQ-Tests darauf hin. Dieses Phänomen, bekannt als der Flynn-Effekt, beschreibt den stetigen und substanziellen Anstieg der Intelligenzwert-Testergebnisse in vielen Teilen der Welt.

Die Entdeckung

Benannt nach James R. Flynn, einem neuseeländischen Geheimdienstforscher, der den Trend in den 1980er Jahren dokumentierte, zeigt der Effekt, dass der durchschnittliche IQ-Wert weltweit um etwa 3 Punkte pro Jahrzehnt gestiegen ist. Wenn ein Kind von heute einen IQ-Test aus den 1930er Jahren machen würde, würde es wahrscheinlich als “hochbegabt” eingestuft werden; umgekehrt würde ein durchschnittlicher Erwachsener aus dem Jahr 1930 nach heutigen Maßstäben fast als kognitiv beeinträchtigt gelten.

Warum steigen die Werte?

Forscher haben mehrere Theorien vorgeschlagen, um diesen dramatischen Anstieg zu erklären:

  1. Verbesserte Ernährung: Besseres Essen führt zu einer besseren Gehirnentwicklung, insbesondere in den frühen Lebensjahren.
  2. Bildung: Längere Schulzeiten und eine stärkere Betonung von abstraktem Denken und Problemlösung haben unsere Gehirne darauf vorbereitet, IQ-Tests besser zu meistern.
  3. Technologische Komplexität: Wir leben heute in einer Welt voller komplexer visueller Symbole und digitaler Schnittstellen, die unsere kognitive Flexibilität ständig herausfordern.
  4. Kleinere Familien: Eltern können mehr Ressourcen und Aufmerksamkeit in jedes einzelne Kind investieren.

Was bedeutet das für uns?

Bedeutet der Flynn-Effekt, dass wir tatsächlich “schlauer” sind als unsere Urgroßeltern? Nicht unbedingt. Viele Experten glauben, dass wir nicht an roher Gehirnkapazität gewonnen haben, sondern vielmehr an kognitiver Spezialisierung. Wir sind besser darin geworden, wissenschaftliche Kategorien zu bilden und hypothetische Probleme zu lösen – Fähigkeiten, die in der modernen Welt überlebenswichtig, in einer Agrargesellschaft von 1900 jedoch weniger relevant waren.

In den letzten Jahren gibt es jedoch Hinweise darauf, dass sich der Flynn-Effekt in einigen entwickelten Ländern verlangsamt oder sogar umkehrt – ein Phänomen, das als Anti-Flynn-Effekt bezeichnet wird. Ob dies an Sättigung, Umweltfaktoren oder Veränderungen im Bildungswesen liegt, ist derzeit Gegenstand intensiver Forschung.

Der Flynn-Effekt erinnert uns daran, dass Intelligenz kein statisches Merkmal ist, sondern eine dynamische Interaktion zwischen unserer Biologie und der Welt, die wir erschaffen.