Der Gotteswahn? Warum Atheisten statistisch gesehen klüger sind
Es ist vielleicht das umstrittenste Thema auf dem Gebiet der Psychometrie.
Bedeutet der Glaube an Gott, dass man weniger intelligent ist?
Jahrelang wurde diese Frage von der höflichen Gesellschaft umgangen. Aber 2013 beschloss ein Forscherteam unter der Leitung von Miron Zuckerman an der University of Rochester, nicht mehr höflich zu sein und sich die Daten anzusehen.
Sie führten eine massive Meta-Analyse durch und überprüften 63 wissenschaftliche Studien, die über fast ein Jahrhundert (von 1928 bis 2012) durchgeführt wurden.
Die Ergebnisse waren deutlich: 53 der 63 Studien zeigten eine negative Korrelation zwischen Religiosität und Intelligenz. Mit anderen Worten: Je höher der IQ, desto geringer der Glaube an Gott.
Warum? Das “Intelligenz-Missverhältnis”
Warum sollten kluge Leute weniger wahrscheinlich glauben? Die Studie bietet drei mögliche Erklärungen:
- Nonkonformität: Intelligente Menschen neigen weniger dazu, sich sozialen Dogmen anzupassen, und hinterfragen eher Autoritäten.
- Kognitiver Stil: Intelligente Menschen verlassen sich eher auf einen analytischen kognitiven Stil (Logik, Daten) als auf einen intuitiven Stil (Bauchgefühl, Glaube).
- Kontrolle: Menschen wenden sich oft der Religion zu, um ein Gefühl von Kontrolle und Sicherheit zu erhalten. Intelligente Menschen können dieses Gefühl der Kontrolle aus ihren eigenen kognitiven Fähigkeiten und ihrem Verständnis der Welt ableiten.
Die Savannen-IQ-Interaktions-Hypothese
Der Evolutionspsychologe Satoshi Kanazawa bietet eine radikalere Erklärung.
Er argumentiert, dass sich allgemeine Intelligenz (g) speziell entwickelt hat, um mit “evolutionär neuen” Problemen umzugehen – Dinge, denen unsere Vorfahren in der afrikanischen Savanne nicht begegnet sind.
- Evolutionär vertraut: Jagen, Sammeln, Partner finden, Kinder großziehen. (Kein hoher IQ erforderlich; Instinkt funktioniert gut).
- Evolutionär neu: Den Stamm verlassen, neue Werkzeuge erfinden, abstrakte Konzepte verstehen… und Atheismus.
Religion, so Kanazawa, sei ein evolutionär “natürlicher” Zustand für Menschen (wir sind darauf programmiert, Muster und höhere Mächte zu sehen). Atheismus – die Ablehnung rein übernatürlicher Erklärungen – ist ein evolutionär neues Konzept. Daher erfordert es eine höhere kognitive Funktion, um unsere natürlichen Instinkte zu überwinden und ihn anzunehmen.
Es geht nicht um Güte
Es ist wichtig zu beachten, dass diese Studie analytische Intelligenz misst, nicht moralischen Wert, Güte oder Weisheit.
Es gibt brillante Gläubige und törichte Atheisten. Aber statistisch gesehen sind die Daten schwer zu ignorieren. Die Elfenbeintürme der akademischen Welt und die Forschungslabore der Welt sind überwiegend säkulare Orte.
Vielleicht ist es so, wie das alte Sprichwort sagt: “Der erste Schluck aus dem Becher der Naturwissenschaft macht atheistisch, aber auf dem Grund des Bechers wartet Gott.” Oder vielleicht braucht man umso weniger zu glauben, je mehr man weiß.